Philosemitismus  >> Philosemiten

Die sozialistische "Junge Welt" vom 6.12.2003 publizierte einen Artikel von Werner Pirker unter dem Titel "Herrschaftsideologie Philosemitismus", in dem eine EU-Studie kritisiert wird, die der europäischen Solidarität mit den Palästinensern zunehmenden Antisemitismus attestiert.

Zwar erkennt Pirker: "Die Ächtung des Antisemitismus ist ein Gebot jeder zivilisierten Gesellschaft.", aber er denunziert seinen Lesern die EU-Studie als "Zensur gegen Israel-Kritik".

Pirker ignoriert das antisemitische Potential, das zwangsläufig jeder Israel-Kritik immanent ist, womit ich eben NICHT sage, dass jede Israel-Kritik antisemitisch sei.  Aber jede Israel-Kritik muss sich dessen bewusst bleiben, dass sie antisemitische Wirkungen haben kann, solange es antisemitische Vorurteile gibt.

Und warum sollte die Anforderung an heutige Friedens- und Solidaritätsbewegungen nicht insgesamt sein, dass ihnen die Wirkungen so beachtlich sind wie ihre Motive? Egal, welchen Konflikt es betrifft.

Ich gönne trotz gegenteiliger Ansicht jedem Noch-Immer-Kommunisten die "klassenmäßige Herangehensweise" an politische Fragen und sie wären ja auch nicht in Gänze von der Hand zu weisen, aber sich mit dem Titel "Herrschaftsideologie Philosemitismus" hervorzutun, ist ein Spiel mit dem Feuer und wirkt jeder "Ächtung des Antisemitismus" entgegen. 
Wenn Pirker das nicht versteht, dann hat er vom Antisemitismus auch nichts verstanden.

Was empfehle ich in solchen Fällen? 

Pirker, wir machen alle Fehler und auch ich schreib' häufig Mist, aber man muss es auch korrigieren - und wenn man sich nicht (mehr oder zeitweilig) ganz sicher ist, dann soll man das auch sagen und seine alten "Werke" kritisch hinterfragen, wozu es nicht immer gleich eine neue Antwort braucht.  

Moratorium zum Nachdenken. Das wäre der Trick.

sven20031211

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