Wer darf "Nazi" genannt werden?

Lieber Uwe L..., 

wenn jemand nicht einmal eine der seltenen Positiv-Schlagzeilen über Flüchtlinge erträgt,
dann ist er mir tatsächlich verdächtig, ein Nazi zu sein.

Und ganz so ungewöhnlich ist das ja nicht, denn viele, viele hatten Opas und Omas, die damals Nazis waren - es waren Millionen - und "eigentlich" keine schlechteren Menschen als ihre unschuldigen Enkel heute. Oder doch?

Nein, es waren nur andere Zeiten. Und viele, viele - Millionen - aus den verglichenen Generationen sind gleich schlecht.

Drei syrische Flüchtlinge leben bei uns, die sich sehr schnell integrierten, arbeiten - und Steuern zahlen, sogar auch für solche, von denen sie verleumdet werden.

Zum Prinzip:

Ob Flüchtling, Migrant, Antifaschist, desinteressiert, desinformiert oder Nazi, alle haben gleiches Daseinsrecht, also Anrecht auf Gerechtigkeit.
Und Gerechtigkeit ist deutlich mehr als bloße Lotterie, wie sich Glück und Pech verteilen.

Der Nazi sollte dieses Daseinsrecht anderen nicht bestreiten.

Erst dann kann er sich über den Verdacht beschweren, anderen ein "Nazi" zu sein, denn nur dann ist er wahrscheinlich keiner mehr.

Markus S. Rabanus 2018-11-06  Facebook

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@Thomas-Erich C, ob ich den NS erlebte? Nein, allenfalls im Kleinformat, wenn Neonazis ihren nächtlichen Hobbys nachkamen.
Auch bekam ich keine Atombombe ab - und bin trotzdem dagegen.
Vieles ist Frage von Phantasiefähigkeit oder Phantasielosigkeit.

Dennoch gebe ich dir recht, dass dieser Nazi-Vorwurf vielleicht nicht trifft, zumal schlimmer geht immer und Unterscheidung lohnt, wobei allerdings auch zu bedenken ist, dass Nazi nicht erst derjenige ist, der einen in die Gaskammer schickt, sondern auch die vielen, die es helfend oder widerspruchslos begünstigten, dass die Züge nach Auschwitz keine Butterfahrten mit Rückticket waren.

Die Menschen gestern waren nicht anders als heute, wenngleich die Umstände andere sind, aber daraus ist Verpflichtung, uns vor Umständen zu hüten, die schlechter sind.

Wer darf "Nazi" genannt werden? Wer es trotz Verdachts nicht für erforderlich hält, sich von Nazis zu distanzieren. Wobei ich gar nicht für menschliche Distanzierung plädiere, soweit jemandem zumutbar, sondern auf politische Distanzierung bestehe. Und die hat sich inhaltlich glaubwürdig zu machen.

Markus S. Rabanus 2017-12-17  bei Facebook Lothar Z. 



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