Atomwaffenverbotsvertrag UNO 2017

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Übersetzung des Deutschen Übersetzungsdienstes der Vereinten Nationen, New York. Die amtliche deutsche Fassung erscheint
erst nach Abstimmung mit und zwischen den deutschsprachigen Unterzeichnerstaaten.

Konferenz der Vereinten Nationen zur Aushandlung
einer rechtsverbindlichen Übereinkunft zum Verbot
von Kernwaffen mit dem Ziel ihrer vollständigen
Beseitigung
New York, 27.-31. März und 15. Juni-7. Juli 2017
Tagesordnungspunkt 9
Verhandlungen nach Ziffer 8 der Resolution 71/258 der
Generalversammlung vom 23. Dezember 2016 über eine
rechtsverbindliche Übereinkunft zum Verbot von Kernwaffen
mit dem Ziel ihrer vollständigen Beseitigung

Vertrag über das Verbot von Kernwaffen

Die Vertragsstaaten dieses Vertrags,

entschlossen, zur Verwirklichung der Ziele und Grundsätze der Charta der Vereinten
Nationen beizutragen,

tief besorgt über die katastrophalen humanitären Folgen eines jeden Einsatzes von
Kernwaffen und in Anerkennung der sich daraus ableitenden Notwendigkeit, diese Waffen
vollständig zu beseitigen, was nach wie vor der einzige Weg ist, der garantiert, dass Kernwaffen
nie wieder und unter keinen Umständen eingesetzt werden,

eingedenk der vom Fortbestand von Kernwaffen ausgehenden Gefahren, einschließ-
lich der Gefahr einer Kernwaffendetonation durch einen Unfall, eine Fehleinschätzung
oder einen vorsätzlichen Akt, und betonend, dass diese Gefahren die Sicherheit der gesamten
Menschheit betreffen und dass alle Staaten gemeinsam die Verantwortung dafür tragen,
jeden Einsatz von Kernwaffen zu verhindern,

in der Erkenntnis, dass den katastrophalen Folgen von Kernwaffen nicht ausreichend
begegnet werden kann, dass sie nicht an nationalen Grenzen haltmachen und gravierende
Auswirkungen auf den Fortbestand der Menschheit, die Umwelt, die sozioökonomische
Entwicklung, die Weltwirtschaft, die Ernährungssicherheit und die Gesundheit heutiger
und künftiger Generationen haben und dass sie unverhältnismäßig stark Frauen und Mädchen
treffen, darunter aufgrund der ionisierenden Strahlung,

in Anerkennung der ethischen Gebote für nukleare Abrüstung und der Dringlichkeit
der Herbeiführung und Erhaltung einer kernwaffenfreien Welt, die ein globales öffentliches
Gut höchsten Ranges ist und nationalen wie kollektiven Sicherheitsinteressen dient,

eingedenk des unannehmbaren Leids und Schadens, die den Opfern des Einsatzes
von Kernwaffen (Hibakusha) sowie den von Kernwaffenversuchen betroffenen Menschen
zugefügt wurden,
in Anbetracht der überproportionalen Auswirkungen von Kernwaffenaktivitäten auf
indigene Völker,
bekräftigend, dass alle Staaten jederzeit das anwendbare Völkerrecht, einschließlich
des humanitären Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsnormen, einhalten
müssen,

gestützt auf die Grundsätze und Regeln des humanitären Völkerrechts, insbesondere
den Grundsatz, nach dem die an einem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien kein unbeschränktes
Recht in der Wahl der Methoden und Mittel der Kriegführung haben, das Unterscheidungsgebot,
das Verbot unterschiedsloser Angriffe, die Regeln zur Verhältnismä-
ßigkeit und zu Vorsichtsmaßnahmen beim Angriff, das Verbot des Einsatzes von Waffen,
die geeignet sind, überflüssige Verletzungen oder unnötige Leiden zu verursachen, und die
Regeln zum Schutz der natürlichen Umwelt,

in der Erwägung, dass jeder Einsatz von Kernwaffen gegen die auf bewaffnete Konflikte
anwendbaren Regeln des Völkerrechts verstieße, insbesondere gegen die Grundsätze
und Regeln des humanitären Völkerrechts,
erneut erklärend, dass jeder Einsatz von Kernwaffen außerdem ein abscheulicher
Affront gegen die Grundsätze der Menschlichkeit und die Forderungen des öffentlichen
Gewissens wäre,

unter Hinweis darauf, dass die Staaten im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen
in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder
die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten
Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt unterlassen müssen
und dass die Herstellung und Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit
so zu fördern sind, dass von den menschlichen und wirtschaftlichen Ressourcen
der Welt möglichst wenig für Rüstungszwecke abgezweigt wird,

sowie unter Hinweis auf die am 24. Januar 1946 verabschiedete erste Resolution der
Generalversammlung der Vereinten Nationen und spätere Resolutionen, in denen die Beseitigung
der Kernwaffen gefordert wird,

besorgt über den schleppenden Fortgang der nuklearen Abrüstung, die fortgesetzte
Abstützung auf Kernwaffen in Militär- und Sicherheitskonzepten, -doktrinen und -politiken
und die Vergeudung wirtschaftlicher und menschlicher Ressourcen für Programme
zur Herstellung, Erhaltung und Modernisierung von Kernwaffen,

in der Erkenntnis, dass ein rechtsverbindliches Verbot von Kernwaffen einen wichtigen
Beitrag zur Herbeiführung und Erhaltung einer kernwaffenfreien Welt, einschließlich
der unumkehrbaren, verifizierbaren und transparenten Beseitigung von Kernwaffen, darstellt,
und entschlossen, im Hinblick auf dieses Ziel zu handeln,
entschlossen zu handeln, um wirksame Fortschritte auf dem Weg zur allgemeinen
und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle zu erzielen,

bekräftigend, dass eine Verpflichtung besteht, in redlicher Absicht Verhandlungen
mit dem Ziel der nuklearen Abrüstung in all ihren Aspekten und unter strenger und wirksamer
internationaler Kontrolle zu führen und zu einem Abschluss zu bringen,

sowie bekräftigend, dass der vollen und wirksamen Durchführung des Vertrags über
die Nichtverbreitung von Kernwaffen, der den Eckpfeiler des nuklearen Abrüstungs- und
Nichtverbreitungsregimes darstellt, eine entscheidende Rolle bei der Förderung des Weltfriedens
und der internationalen Sicherheit zukommt,

in Anerkennung der entscheidenden Bedeutung des Vertrags über das umfassende
Verbot von Nuklearversuchen und seines Verifikationsregimes als ein Kernstück des internationalen
Regimes für nukleare Abrüstung und die Nichtverbreitung von Kernwaffen,

in Bekräftigung der Überzeugung, dass die Schaffung international anerkannter
kernwaffenfreier Zonen auf der Grundlage von Vereinbarungen, die von den Staaten der
betreffenden Region aus freien Stücken geschlossen werden, den Frieden und die Sicherheit
auf globaler und regionaler Ebene festigt, das nukleare Nichtverbreitungsregime stärkt
und zur Verwirklichung des Ziels der nuklearen Abrüstung beiträgt,

nachdrücklich darauf hinweisend, dass dieser Vertrag nicht so auszulegen ist, als
werde dadurch das unveräußerliche Recht seiner Vertragsstaaten beeinträchtigt, unter
Wahrung der Gleichbehandlung die Erforschung, Erzeugung und Verwendung der Kernenergie
für friedliche Zwecke zu entwickeln,

in der Erkenntnis, dass die gleichberechtigte, volle und wirksame Beteiligung von
Frauen wie Männern ein wesentlicher Faktor für die Förderung und Herbeiführung dauerhaften
Friedens und nachhaltiger Sicherheit ist, und entschlossen, die wirksame Beteiligung
der Frauen an der nuklearen Abrüstung zu unterstützen und zu stärken,

sowie in der Erkenntnis, wie wichtig die Friedens- und Abrüstungserziehung in all
ihren Aspekten und die Aufklärung über die Risiken und Folgen von Kernwaffen für die
heutigen und künftigen Generationen sind, und entschlossen, die Grundsätze und Normen
dieses Vertrags zu verbreiten,

unter Betonung der Rolle des öffentlichen Gewissens bei der Förderung der Grundsätze
der Menschlichkeit, erkennbar am Ruf nach der vollständigen Beseitigung der Kernwaffen,

und in Anerkennung der diesbezüglichen Anstrengungen der Vereinten Nationen,
der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung und von anderen internationalen
und regionalen Organisationen, nichtstaatlichen Organisationen, führenden Religionsvertretern,
Parlamentariern, Akademikern und der Hibakusha,

sind wie folgt übereingekommen:

Artikel 1 Verbote

Jeder Vertragsstaat verpflichtet sich, unter keinen Umständen jemals

a) Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper zu entwickeln, zu erproben, zu
erzeugen, herzustellen, auf andere Weise zu erwerben, zu besitzen oder zu lagern;

b) Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt dar-
über unmittelbar oder mittelbar an irgendjemanden weiterzugeben;

c) Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper oder die Verfügungsgewalt dar-
über unmittelbar oder mittelbar anzunehmen;

d) Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper einzusetzen oder ihren Einsatz
anzudrohen;

e) irgendjemanden in irgendeiner Weise zu unterstützen, zu ermutigen oder zu
veranlassen, Tätigkeiten vorzunehmen, die einem Vertragsstaat aufgrund dieses Vertrags
verboten sind;

f) von irgendjemandem in irgendeiner Weise irgendwelche Unterstützung zu suchen
oder anzunehmen, um Tätigkeiten vorzunehmen, die einem Vertragsstaat aufgrund
dieses Vertrags verboten sind;

g) eine Stationierung, Aufstellung oder Dislozierung von Kernwaffen oder sonstigen
Kernsprengkörpern in seinem Hoheitsgebiet oder an irgendeinem Ort unter seiner
Hoheitsgewalt oder Kontrolle zu gestatten.

Artikel 2 Meldungen

1. Jeder Vertragsstaat gibt dem Generalsekretär der Vereinten Nationen spätestens
30 Tage nach Inkrafttreten dieses Vertrags für den betreffenden Vertragsstaat eine Meldung
ab, in der er

a) erklärt, ob sich vor dem Inkrafttreten dieses Vertrags für den betreffenden Vertragsstaat
Kernwaffen oder Kernsprengkörper in seinem Eigentum, seinem Besitz oder
seiner Verfügungsgewalt befanden und er sein Kernwaffenprogramm beseitigt hat, einschließlich
durch die Beseitigung oder unumkehrbare Umstellung aller mit Kernwaffen
zusammenhängenden Einrichtungen;

b) ungeachtet des Artikels 1 Buchstabe a erklärt, ob sich Kernwaffen oder sonstige
Kernsprengkörper in seinem Eigentum, seinem Besitz oder seiner Verfügungsgewalt
befinden;

c) ungeachtet des Artikels 1 Buchstabe g erklärt, ob sich in seinem Hoheitsgebiet
oder an irgendeinem Ort unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle Kernwaffen oder sonstige
Kernsprengkörper befinden, die im Eigentum, im Besitz oder in der Verfügungsgewalt
eines anderen Staates sind.

2. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen leitet alle ihm so zugegangenen Meldungen
an die Vertragsstaaten weiter.

Artikel 3 Sicherungsmaßnahmen

1. Für jeden Vertragsstaat, auf den Artikel 4 Absatz 1 oder 2 keine Anwendung findet,
gelten mindestens seine zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Vertrags in Kraft befindlichen
Sicherungsverpflichtungen gegenüber der Internationalen Atomenergie-Organisation
weiter, unbeschadet zusätzlicher einschlägiger Rechtsinstrumente, die er in der Zukunft
möglicherweise annimmt.

2. Jeder Vertragsstaat, auf den Artikel 4 Absatz 1 oder 2 keine Anwendung findet,
schließt mit der Internationalen Atomenergie-Organisation ein umfassendes Sicherungsabkommen
(INFCIRC/153 (Corrected)) und setzt es in Kraft, sofern er dies nicht bereits getan
hat. Die Verhandlungen über ein derartiges Abkommen werden binnen 180 Tagen nach
dem Inkrafttreten dieses Vertrags für den betreffenden Vertragsstaat aufgenommen. Das
Abkommen tritt spätestens 18 Monate nach dem Inkrafttreten dieses Vertrags für den betreffenden
Vertragsstaat in Kraft. Danach gelten für jeden Vertragsstaat die daraus entstehenden
Verpflichtungen weiter, unbeschadet zusätzlicher einschlägiger Rechtsinstrumente,
die er in der Zukunft möglicherweise annimmt.

Artikel 4 Auf dem Weg zur vollständigen Beseitigung von Kernwaffen

1. Jeder Vertragsstaat, in dessen Eigentum, Besitz oder Verfügungsgewalt sich nach
dem 7. Juli 2017 und vor dem Inkrafttreten dieses Vertrags für ihn Kernwaffen oder sonstige
Kernsprengkörper befanden und der sein Kernwaffenprogramm in diesem Zeitraum
beseitigte, einschließlich durch die Beseitigung oder unumkehrbare Umstellung aller mit
Kernwaffen zusammenhängenden Einrichtungen, kooperiert mit der nach Absatz 6 bestimmten
zuständigen internationalen Behörde zum Zweck der Verifikation der unumkehrbaren
Beseitigung seines Kernwaffenprogramms. Die zuständige internationale Behörde
erstattet den Vertragsstaaten Bericht. Der betreffende Vertragsstaat schließt mit der
Internationalen Atomenergie-Organisation ein Sicherungsabkommen, das ausreicht, um
glaubhaft zu gewährleisten, dass gemeldetes Kernmaterial nicht von friedlichen nuklearen
Tätigkeiten abgezweigt wird und dass es in dem Vertragsstaat insgesamt weder nicht gemeldetes
Kernmaterial noch nicht gemeldete nukleare Tätigkeiten gibt. Die Verhandlungen
über ein derartiges Abkommen werden binnen 180 Tagen nach dem Inkrafttreten dieses
Vertrags für den betreffenden Vertragsstaat aufgenommen. Das Abkommen tritt spä-
testens 18 Monate nach dem Inkrafttreten dieses Vertrags für den betreffenden Vertragsstaat
in Kraft. Danach gelten für jeden Vertragsstaat die daraus entstehenden Sicherungsverpflichtungen
weiter, unbeschadet zusätzlicher einschlägiger Rechtsinstrumente, die er
in der Zukunft möglicherweise annimmt.

2. Ungeachtet des Artikels 1 Buchstabe a hebt jeder Vertragsstaat, in dessen Eigentum,
Besitz oder Verfügungsgewalt sich Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper befinden,
ihre Einsatzbereitschaft sofort auf und vernichtet sie so bald wie möglich, spätestens aber
zu einem von dem ersten Treffen der Vertragsstaaten festzulegenden Termin, nach einem
rechtsverbindlichen Zeitplan für die verifizierte und unumkehrbare Beseitigung des Kernwaffenprogramms
des betreffenden Vertragsstaats, einschließlich der Beseitigung oder unumkehrbaren
Umstellung aller mit Kernwaffen zusammenhängenden Einrichtungen. Der
Vertragsstaat legt diesen Plan spätestens 60 Tage nach dem Inkrafttreten dieses Vertrags
für den betreffenden Vertragsstaat den Vertragsstaaten oder einer von den Vertragsstaaten
bestimmten zuständigen internationalen Behörde vor. Der Plan wird sodann mit der zuständigen
internationalen Behörde ausgehandelt und von ihr dem nächsten Treffen der
Vertragsstaaten oder der nächsten Überprüfungskonferenz, sofern diese früher stattfindet,
zur Genehmigung nach der jeweiligen Geschäftsordnung vorgelegt.

3. Ein Vertragsstaat, auf den Absatz 2 Anwendung findet, schließt mit der Internationalen
Atomenergie-Organisation ein Sicherungsabkommen, das ausreicht, um glaubhaft zu
gewährleisten, dass gemeldetes Kernmaterial nicht von friedlichen nuklearen Tätigkeiten
abgezweigt wird und dass es in dem Staat insgesamt weder nicht gemeldetes Kernmaterial
noch nicht gemeldete nukleare Tätigkeiten gibt. Die Verhandlungen über ein derartiges
Abkommen werden spätestens an dem Tag aufgenommen, an dem die Umsetzung des in
Absatz 2 genannten Plans abgeschlossen ist. Das Abkommen tritt spätestens 18 Monate
nach dem Tag des Verhandlungsbeginns in Kraft. Danach gelten für den betreffenden Vertragsstaat
mindestens die daraus entstehenden Sicherungsverpflichtungen weiter, unbeschadet
zusätzlicher einschlägiger Rechtsinstrumente, die er in der Zukunft möglicherweise
annimmt. Nach dem Inkrafttreten des Abkommens legt der Vertragsstaat dem Generalsekretär
der Vereinten Nationen eine abschließende Meldung vor, aus der hervorgeht,
dass er seine Verpflichtungen nach diesem Artikel erfüllt hat.

4. Ungeachtet des Artikels 1 Buchstaben b und g trägt jeder Vertragsstaat, der in seinem
Hoheitsgebiet oder an einem unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle stehenden Ort
Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper hat, die sich im Eigentum, im Besitz oder in
der Verfügungsgewalt eines anderen Staates befinden, dafür Sorge, dass diese Waffen so
bald wie möglich, spätestens aber zu einem von dem ersten Treffen der Vertragsstaaten
festzulegenden Termin, zügig entfernt werden. Nach der Entfernung dieser Waffen oder
sonstigen Sprengkörper legt der Vertragsstaat dem Generalsekretär der Vereinten Nationen
eine Meldung vor, aus der hervorgeht, dass er seine Verpflichtungen nach diesem Artikel
erfüllt hat.

5. Jeder Vertragsstaat, auf den dieser Artikel Anwendung findet, legt jedem Treffen der
Vertragsstaaten und jeder Überprüfungskonferenz einen Bericht über den Stand der Umsetzung
seiner Verpflichtungen nach diesem Artikel vor, bis diese erfüllt sind.

6. Die Vertragsstaaten bestimmen eine oder mehrere zuständige internationale Behörden,
die die unumkehrbare Beseitigung von Kernwaffenprogrammen, einschließlich der
Beseitigung oder unumkehrbaren Umstellung aller mit Kernwaffen zusammenhängenden
Einrichtungen, nach den Absätzen 1, 2 und 3 aushandeln und verifizieren. Haben die Vertragsstaaten
vor dem Inkrafttreten dieses Vertrags für einen Vertragsstaat, auf den Absatz 1
oder 2 Anwendung findet, keine derartige Behörde bestimmt, so beruft der Generalsekretär
der Vereinten Nationen ein außerordentliches Treffen der Vertragsstaaten ein, auf dem alle
erforderlichen Beschlüsse gefasst werden.

Artikel 5 Innerstaatliche Umsetzung

1. Jeder Vertragsstaat trifft die notwendigen Maßnahmen zur Umsetzung seiner Verpflichtungen
aus diesem Vertrag.

2. Jeder Vertragsstaat trifft alle geeigneten gesetzlichen, verwaltungsmäßigen und sonstigen
Maßnahmen, einschließlich der Verhängung von Strafen, um jede Tätigkeit von Personen
oder in Gebieten unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle, die einem Vertragsstaat
aufgrund dieses Vertrags verboten ist, zu verhüten und zu unterbinden.

Artikel 6 Hilfe für Opfer und Umweltsanierung

1. Jeder Vertragsstaat leistet seiner Hoheitsgewalt unterstehenden Personen, die vom
Einsatz oder von der Erprobung von Kernwaffen betroffen sind, nach Maßgabe des geltenden
humanitären Völkerrechts und der geltenden internationalen Menschenrechtsnormen
in angemessener Weise eine Hilfe, einschließlich medizinischer Versorgung, Rehabilitation
und psychologischer Unterstützung, die das Alter und das Geschlecht berücksichtigt
und niemanden diskriminiert, und sorgt für ihre soziale und wirtschaftliche Inklusion.

2. Jeder Vertragsstaat trifft in Bezug auf Gebiete unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle,
die aufgrund von Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Erprobung oder dem Einsatz
von Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkörpern kontaminiert sind, die notwendigen
und geeigneten Maßnahmen zur Sanierung der Umwelt der kontaminierten Gebiete.

3. Die Verpflichtungen nach den Absätzen 1 und 2 lassen die völkerrechtlichen oder
durch zweiseitige Abkommen begründeten Pflichten und Obliegenheiten aller anderen
Staaten unberührt.

Artikel 7 Internationale Zusammenarbeit und Hilfe

1. Jeder Vertragsstaat kooperiert mit anderen Vertragsstaaten, um die Durchführung
dieses Vertrags zu erleichtern.

2. Bei der Erfüllung seiner Verpflichtungen aus diesem Vertrag hat jeder Vertragsstaat
das Recht, im Rahmen des Möglichen Hilfe von anderen Vertragsstaaten zu erbitten und
zu erhalten.

3. Jeder Vertragsstaat, der hierzu in der Lage ist, leistet Vertragsstaaten, die vom Einsatz
oder von der Erprobung von Kernwaffen betroffen sind, technische, materielle und finanzielle
Hilfe, um die Durchführung dieses Vertrags zu fördern.

4. Jeder Vertragsstaat, der hierzu in der Lage ist, leistet den Opfern des Einsatzes oder
der Erprobung von Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkörpern Hilfe.

5. Hilfe nach diesem Artikel kann unter anderem über das System der Vereinten Nationen,
internationale, regionale oder nationale Organisationen oder Einrichtungen, nichtstaatliche
Organisationen oder Einrichtungen, das Internationale Komitee vom Roten
Kreuz, die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften oder
die nationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften oder auf zweiseitiger Grundlage
geleistet werden.

6. Unbeschadet aller sonstigen Pflichten oder Obliegenheiten, die er nach dem Völkerrecht
hat, hat jeder Vertragsstaat, der Kernwaffen oder sonstige Kernsprengkörper eingesetzt
oder erprobt hat, die Verantwortung, den betroffenen Vertragsstaaten angemessene
Hilfe zum Zweck der Bereitstellung von Hilfe für die Opfer und der Umweltsanierung zu
leisten.

Artikel 8 Treffen der Vertragsstaaten

1. Die Vertragsstaaten kommen regelmäßig zusammen, um alle Angelegenheiten in
Bezug auf die Anwendung oder Durchführung dieses Vertrags, im Einklang mit seinen
einschlägigen Bestimmungen, und weitere Maßnahmen zur nuklearen Abrüstung zu prüfen
und erforderlichenfalls diesbezüglich Beschlüsse zu fassen; dazu gehören

a) die Durchführung und der Status dieses Vertrags;

b) Maßnahmen zur verifizierten, termingebundenen und unumkehrbaren Beseitigung
der Kernwaffenprogramme, einschließlich Zusatzprotokollen zu diesem Vertrag;

c) alle sonstigen Angelegenheiten gemäß und im Einklang mit den Bestimmungen
dieses Vertrags.

2. Das erste Treffen der Vertragsstaaten wird vom Generalsekretär der Vereinten Nationen
innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten dieses Vertrags einberufen. Weitere Treffen
der Vertragsstaaten werden vom Generalsekretär der Vereinten Nationen alle zwei Jahre
einberufen, sofern die Vertragsstaaten nichts anderes vereinbaren. Das Treffen der Vertragsstaaten
beschließt auf seiner ersten Tagung seine Geschäftsordnung. Bis zu diesem
Beschluss findet die Geschäftsordnung der Konferenz der Vereinten Nationen zur Aushandlung
einer rechtsverbindlichen Übereinkunft zum Verbot von Kernwaffen mit dem
Ziel ihrer vollständigen Beseitigung Anwendung.

3. Außerordentliche Treffen der Vertragsstaaten werden, wenn es für notwendig erachtet
wird, vom Generalsekretär der Vereinten Nationen auf schriftlichen Antrag eines Vertragsstaats
einberufen, sofern dieser Antrag von mindestens einem Drittel der Vertragsstaaten
unterstützt wird.

4. Fünf Jahre nach dem Inkrafttreten dieses Vertrags beruft der Generalsekretär der
Vereinten Nationen eine Konferenz zur Überprüfung der Wirkungsweise des Vertrags und
der Fortschritte bei der Verwirklichung der Ziele des Vertrags ein. Der Generalsekretär der
Vereinten Nationen beruft in Abständen von sechs Jahren weitere Überprüfungskonferenzen
mit demselben Ziel ein, sofern die Vertragsstaaten nichts anderes vereinbaren.

5. Staaten, die nicht Vertragspartei dieses Vertrags sind, sowie die einschlägigen Institutionen
des Systems der Vereinten Nationen, sonstige einschlägige internationale Organisationen
oder Einrichtungen, regionale Organisationen, das Internationale Komitee vom
Roten Kreuz, die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften
und einschlägige nichtstaatliche Organisationen werden als Beobachter zu den Treffen
der Vertragsstaaten und den Überprüfungskonferenzen eingeladen.

Artikel 9 Kosten

1. Die Kosten der Treffen der Vertragsstaaten, der Überprüfungskonferenzen und der
außerordentlichen Treffen der Vertragsstaaten werden von den Vertragsstaaten und den als
Beobachtern an ihnen teilnehmenden Staaten, die nicht Vertragsparteien dieses Vertrags
sind, in Übereinstimmung mit dem entsprechend angepassten Beitragsschlüssel der Vereinten
Nationen getragen.

2. Die dem Generalsekretär der Vereinten Nationen entstehenden Kosten der Weiterleitung
von Meldungen nach Artikel 2, Berichten nach Artikel 4 und Änderungsvorschlägen

nach Artikel 10 werden von den Vertragsstaaten in Übereinstimmung mit dem entsprechend
angepassten Beitragsschlüssel der Vereinten Nationen getragen.
3. Die Kosten im Zusammenhang mit der Durchführung der nach Artikel 4 erforderlichen
Verifikationsmaßnahmen sowie die Kosten im Zusammenhang mit der Vernichtung
von Kernwaffen oder sonstigen Kernsprengkörpern und mit der Beseitigung von Kernwaffenprogrammen,
einschließlich der Beseitigung oder Umstellung aller mit Kernwaffen zusammenhängenden
Einrichtungen, sollen von den Vertragsstaaten getragen werden, auf die sie entfallen.

Artikel 10 Änderungen

1. Jederzeit nach Inkrafttreten dieses Vertrags kann jeder Vertragsstaat Änderungen des
Vertrags vorschlagen. Der Wortlaut eines Änderungsvorschlags wird dem Generalsekretär
der Vereinten Nationen mitgeteilt; dieser leitet ihn an alle Vertragsstaaten weiter und holt
ihre Ansicht darüber ein, ob der Vorschlag geprüft werden soll. Notifiziert die Mehrheit
der Vertragsstaaten dem Generalsekretär der Vereinten Nationen spätestens 90 Tage nach
Weiterleitung des Vorschlags, dass sie eine weitere Prüfung des Vorschlags befürwortet,
so wird der Vorschlag auf dem nächsten Treffen der Vertragsstaaten oder der nächsten
Überprüfungskonferenz, falls diese früher stattfindet, geprüft.

2. Ein Treffen der Vertragsstaaten oder eine Überprüfungskonferenz kann Änderungen
vereinbaren, die mit den Ja-Stimmen einer Zweidrittelmehrheit der Vertragsstaaten beschlossen
werden. Der Verwahrer teilt allen Vertragsstaaten jede beschlossene Änderung
mit.

3. Die Änderung tritt für jeden Vertragsstaat, der seine Urkunde über die Ratifikation
oder Annahme der Änderung hinterlegt hat, 90 Tage nach dem Zeitpunkt in Kraft, zu dem
die Mehrheit der Staaten, die bei der Beschlussfassung Vertragsstaaten waren, ihre Ratifikations-
oder Annahmeurkunden hinterlegt haben. Danach tritt sie für jeden weiteren Vertragsstaat
90 Tage nach Hinterlegung seiner Urkunde über die Ratifikation oder Annahme
der Änderung in Kraft.

Artikel 11 Beilegung von Streitigkeiten

1. Entsteht eine Streitigkeit zwischen zwei oder mehr Vertragsstaaten über die Auslegung
oder Anwendung dieses Vertrags, so konsultieren die betroffenen Parteien einander
im Hinblick auf die Beilegung der Streitigkeit durch Verhandlungen oder durch andere
friedliche Mittel ihrer Wahl im Einklang mit Artikel 33 der Charta der Vereinten Nationen.

2. Das Treffen der Vertragsstaaten kann zur Beilegung der Streitigkeit beitragen, indem
es unter anderem seine Guten Dienste anbietet, die betroffenen Vertragsstaaten auffordert,
das Beilegungsverfahren ihrer Wahl in Gang zu setzen, und für jedes vereinbarte Verfahren
eine Frist empfiehlt, im Einklang mit den einschlägigen Bestimmungen dieses Vertrags
und der Charta der Vereinten Nationen.

Artikel 12 Universalität

Jeder Vertragsstaat ermutigt Staaten, die nicht Vertragsstaaten dieses Vertrags sind,
den Vertrag zu unterzeichnen, zu ratifizieren, anzunehmen, zu genehmigen oder ihm beizutreten,
mit dem Ziel des Beitritts aller Staaten zu diesem Vertrag.

Artikel 13 Unterzeichnung

Dieser Vertrag liegt für alle Staaten ab dem 20. September 2017 am Sitz der Vereinten
Nationen in New York zur Unterzeichnung auf.

Artikel 14 Ratifikation, Annahme, Genehmigung oder Beitritt

Dieser Vertrag bedarf der Ratifikation, Annahme oder Genehmigung durch die Unterzeichnerstaaten.
Der Vertrag steht zum Beitritt offen.

Artikel 15 Inkrafttreten

1. Dieser Vertrag tritt 90 Tage nach der Hinterlegung der fünfzigsten Ratifikations-,
Annahme-, Genehmigungs- oder Beitrittsurkunde in Kraft.

2. Für jeden Staat, der seine Ratifikations-, Annahme-, Genehmigungs- oder Beitrittsurkunde
nach dem Zeitpunkt der Hinterlegung der fünfzigsten Ratifikations-, Annahme-,
Genehmigungs- oder Beitrittsurkunde hinterlegt, tritt dieser Vertrag 90 Tage nach dem
Zeitpunkt der Hinterlegung der Ratifikations-, Annahme-, Genehmigungs- oder Beitrittsurkunde
dieses Staates in Kraft.

Artikel 16 Vorbehalte

Vorbehalte zu den Artikeln dieses Vertrags sind nicht zulässig.

Artikel 17 Geltungsdauer und Rücktritt

1. Die Geltungsdauer dieses Vertrags ist unbegrenzt.

2. Jeder Vertragsstaat hat in Ausübung seiner staatlichen Souveränität das Recht, von
dem Vertrag zurückzutreten, wenn er feststellt, dass außergewöhnliche, mit dem Gegenstand
des Vertrags zusammenhängende Ereignisse die höchsten Interessen seines Landes
gefährden. Er teilt diesen Rücktritt dem Verwahrer mit. Diese Mitteilung hat eine Darlegung
der außergewöhnlichen Ereignisse zu enthalten, durch die nach Ansicht des betreffenden
Vertragsstaats eine Gefährdung seiner höchsten Interessen eingetreten ist.

3. Der Rücktritt wird erst 12 Monate nach dem Eingang der Rücktrittsmitteilung beim
Verwahrer wirksam. Ist der zurücktretende Vertragsstaat jedoch bei Ablauf dieser 12 Monate
an einem bewaffneten Konflikt beteiligt, so bleibt der Vertragsstaat solange durch die
Verpflichtungen aus diesem Vertrag und allen etwaigen Zusatzprotokollen gebunden, bis
er nicht mehr an dem bewaffneten Konflikt beteiligt ist.

Artikel 18 Verhältnis zu anderen Übereinkünften

Die Durchführung dieses Vertrags lässt die Verpflichtungen der Vertragsstaaten aus
bestehenden völkerrechtlichen Übereinkünften, deren Vertragsparteien sie sind, unberührt,
sofern diese Verpflichtungen mit dem Vertrag vereinbar sind.

Artikel 19 Verwahrer

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen wird hiermit zum Verwahrer dieses
Vertrags bestimmt.

Artikel 20 Verbindliche Wortlaute

Der arabische, der chinesische, der englische, der französische, der russische und der
spanische Wortlaut dieses Vertrags sind gleichermaßen verbindlich.

GESCHEHEN zu New York am 7. Juli 2017.

Quelle >> http://www.icanw.de/wp-content/uploads/2017/07/a-conf-229-17-8.pdf 

englische Fassung >> Atomwaffenverbotsvertrag UNO 2017 englische Fassung

lexikalisch >> http://de.wikipedia.org/wiki/Atomwaffenverbotsvertrag 

DGNVN-Stellungnahme >> DGVN würdigt Atomwaffenverbotsvertrag 2017-07-11

 

Persönlicher Eindruck

Für mich ist das Zustandekommen dieses Vertrags wie die Reanimation einer schon fast begrabenen Hoffnung, dass endlich die atomwaffenfreien Staaten das Heft in die Hand nehmen und einen Vertrag erarbeiteten, den zu erarbeiten die Atomwaffenmächte in Artikel 6 des Atomwaffensperrvertrags vor 47 Jahren als Hauptgegenleistung für den Atomwaffenverzicht der anderen Staaten versprachen, aber nicht erfüllten. 

Nun ist der universelle Atomwaffenverbotsvertrag ausgearbeitet, wird Völkerrecht zwischen den atomwaffenfreien Staaten - und es ist an uns, auf die Atommächte und deren Verbündete einzuwirken, sich diesem Vertrag anzuschließen.

Es wäre schön, wenn die 122 Staaten dieses Atomwaffenverbotsvertrags mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt würden. 
Unseren kleinen >> Friedenspreis.de haben sie schon ;-) 

Nun wird es darauf ankommen, die Atomwaffenstaaten in Bewegung auf Atomwaffenabrüstung zu bringen. Dazu braucht es weiterer Atomwaffenverbotsabkommen, zumindest Vetragsentwürfe unsererseits, denn die Atomwaffenstaaten werden ohne politischen Druck nichts unternehmen, was ihnen die Atomwaffen nimmt. 

Markus S. Rabanus
 

Berlin, 19. Juli 2017
Friedensforschung.de  

>> ATOMWAFFENVERBOT

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Der Verstand muss schärfer sein als alle Munition.